Wie sicher können wir sein, dass wir wach sind, wenn wir morgens die Augen aufschlagen und aufstehen? Jetzt wo wir mit Schrecken erkennen müssen, wie viele andere um uns herum maskiert schlafwandeln. Und sich in ihrer offenkundigen MSM–Trance der Impfung zuführen lassen. Woher wissen wir nun so genau, dass wir nicht auch wieder eingeschlafen sind und eine ebensolche Trance träumen? Ich habe mir folgende Fabel-Geschichte dazu ausgedacht:
Der Rabe und das Schattenwesen
Schlicht sitzt der gelehrige Rabe auf seinem fragilen Ast. Still putzt er seine morschen Federn, während der Baum wispernd knarzt. Der Wind rauscht durch die Blätter und flüstert ihm in der alten Rabensprache zu: „Deine wunden Füße kleben hier fest, während der Baumharz sich schleichend um sie legt wie ein Schraubstock. Und dann wird es kein Entrinnen mehr geben, obwohl Du fliegen kannst. Und Du bist schließlich hier, um zu fliegen, kluger Rabe!“ Der Rabe lauscht, denn die Blätter rascheln ungewöhnlich laut und still und das Rauschen des Windes hüllt das Knarzen des Baumes ein. Ist es nur das gewöhnliche Klangspiel des Tages? Und schlief er gerade ohne es zu merken? Das fragt er sich im Stillen selbst. „Ich spüre meine Füße auf dem Ast“, sagt er schließlich laut „Ich bin wach.“
Er plustert seine Federn auf und der Urstaub seit Anbeginn der Welt steigt empor. Staub ergreift den Raben wie ein Gespinst und sein Atem wird ruhelos laut und totenstill. Er wird müde und erwartet die lösende Umarmung von bleiernem Schlaf. „Meine Füße sind auf einmal so schwer“, denkt er bei sich. Da erfasst die tiefste Angst, die der gelehrige Rabe je kannte, seinen ganzen Körper. Wie schwarzer satanischer Teer durchdringt sie auch den Ast, den Baum und schließlich all seine Blätter. Sofort verwelkt alles, das den zerbrechlichen Vogel getragen hat und zerfällt zu Asche.
In diesem Moment umarmt ihn ein Schattenwesen, das sich aus dem Urstaub der Weltengezeiten herausgelöst hat. Sollte er sich einfach niedersinken lassen und für dieses Mal vergessen, bis das nächste Mal begann? Da rauscht wieder der Wind durch die Blätter und erinnert ihn an das Flüstern in der alten Rabensprache. „Ich habe die Wahl. Ich kann mich entscheiden zu fliegen“, denkt der gescheite Vogel. Er öffnet seine Füße und lässt den zerfallenden Ast los. Ein Moment des Nichtswissens folgt. Dann wird das Schattenwesen flüssig, umhüllt die erstarrten, gepeinigten Flügel des Vogels und wiegt sie sanft. Der Rabe lässt dies geschehen. Das grenzenlose Wesen fließt wie ewig bekannter, blutjunger Nektar in ihn hinein. Er löst sich dabei vollständig auf.
„Erinnere ich mich nicht an einen Schatten?“ denkt der Rabe im nächsten Augenblick, während seine Flügelschläge die Asche des Baumes verwehen. Der kluge Blick des Vogels folgt der Flugbahn der Asche in der Luft und dringt dabei weit in die Tiefe vor. Als auch die letzten Aschepartikel verweht sind, dreht der Wind plötzlich. Ein voyeuristisches Eindringen, ein Gefühl von dämonischer Schwere in einem Körper voller Spannungen. Es bahnt sich den Weg, wird zudringlicher, bäumt sich zur Todesangst auf, zerfällt zu Nichts und der Rabe verflüchtigt sich wie ein Duft. Asche und Staub vergehen und der Wind weht frisch und kühl auf. „Erinnere ich mich nicht an einen Vogel?“ denkt die deutsche geimpfte Frau still bei sich, als sie aufwacht.
„Nur flüchtige Schatten der Nacht“, bekommt sie gedanklich zur Antwort und setzt sich im Bett auf. Das Schattenwesen sitzt schlicht und still neben ihr. Doch die einsame, massnahmen–müde Frau wähnt sich allein in ihrer Lockdown–Wohnung. „Ich spüre meine Füße auf dem Boden“, sagt sie, als sie aufsteht. „Ich bin wach.“ Sie macht sich Kaffee und holt die FAZ aus ihrem Briefkasten, um sie zu lesen. Und sie setzt die Maske auf, als sie das Haus verlässt. Als sie den Motor ihres Wagens anlässt, merkt sie nicht, dass das Schattenwesen auf der Rückbank Platz genommen hat.